Geschichte der PSV-Schwimmabteilung

Geschichte der Schwimmabteilung des PSV

(aufgeschrieben von Herbert Abelt, Ehrenvorsitzender, gestorben im Juli 2013)

Nachdem die Allierten im Jahr 1945 alle Vereine verboten hatten, erfolgte die Wie- dergründung der Schwimmabteilung am 01.06.1949 und war somit einer der ersten Abteilungen im Gesamtverein des PSV. Bereits im September 1949 konnten wir schon 50 Mitglieder verzeichnen. Nach der Fusion mit dem BSC Delphin im Jahre 2007 sind wir ca. 700 Mitglieder und damit die größte Abteilung im Polizei-Sport-Verein. Dabei halten sich Jugendliche und Erwach- sene in etwa die Waage, was für das gute Miteinander von jung und alt spricht. Schon in früheren Zeiten galt im Volksmund das Motto: „Wasser hat keine Balken“. Gegen diese  Ansicht traten stets die Schwimmer auf, die sich den Spruch „jeder Mensch ein Schwimmer – jeder Schwimmer ein Retter“ zu eigen machten. Bei der Gründung des Polizei-Sport-Vereins war es daher eine Selbstverständlich- keit, eine Schwimmabteilung zu gründen. Sportkameraden aus dieser Gründungszeit sind heute leider nicht mehr unter uns. Mit dem Ausgang des Krieges sind 1945 fast alle Unterlagen aus früheren Zeiten verloren gegangen, so dass bis zum Anschluss an die Nachkriegszeit auf die Erinnerungen früherer bekannter Mitglieder der Schwimmabteilung zurückgegriffen werden musste. Das Jahr 1921 wurde so zum Gründungsjahr des Gesamtvereins erklärt. Wenn der Schreiber dieser Zeilen auch nicht persönlich von dieser Gründung berich- ten kann, so ist es doch auf Grund der vorhandenen Unterlagen nachzuweisen. Sportliche Leistungen würden uns heute fast ein „müdes Lächeln” abgewinnen, wa- ren damals jedoch – Spitze”. So wurde im Jahre 1927 Lothar Möller Deutscher Poli- zeimeister im 200 m Brustschwimmen In 3:13,4 Min. und über 100 m Kraulschwim- men in 1:09,2 Min., Albert Peschel im Jahre 1928 im 300 m Beliebigschwimmen in 5:04,6 Min. Willi Hofmann schwamm 1930 den Deutschen Polizeirekord über 100 m Rücken in 1:18,0 Min.! Leider war der größte Teil der aktiven Schwimmer in den Jah- ren 1940 bis 1945 zur damaligen Wehrmacht abgestellt, so dass die sportliche Tätig- keit in dieser Zeit stark eingeschränkt wurde. Nach Kriegsende wurde von den Alliier- ten jede Vereinstätigkeit verboten. Trotzdem trafen sich Schwimmerinnen und Schwimmer, um sich als „Kommunal- sportler“ unter der Obhut des Bezirksamtes Wedding im Schwimmsport zu betätigen. So ging es ohne Vereine, bis die Alliierten das Vereinsverbot im Jahre 1949 aufho- ben.  Während einige Vereine sich unter neuen Vereinsnamen zusammenschlossen, erfolgte am 1.6.1949 die Widergründung des Polizei-Sport-Vereins Berlin e.V.  Schwimmer waren natürlich gleich  wieder mit dabei und so fanden sich nach kurzen “Vorgesprächen“ die „Alten PSVer“ Albert Peschel und Alfred Borchert zu- sammen mit den Schwimmkameraden Otto Schultz, Herbert Dähn, Kurt Schlicht, Werner Holzmann und Herbert Abelt, um die Schwimmabteilung offiziell zum „Da- sein“ zu verhelfen. Zum Gründungstag fand sich dieses „Fähnlein der sieben Auf- rechten“ am 20.6.1949 im Casino des Poststadions ein und stimmte der Gründung „einstimmig“ zu. (Die Sportkameraden Heinz Paul und Herbert Sturm waren leider nicht mehr dabei, weil sie wieder in ihren alten Vereinen bleiben wollten! Um einen Wettkampfbetrieb mit anderen Vereinen durchführen zu können, musste zunächst unsere Abteilung vom Berliner Schwimmverband anerkannt werden. Der Antrag wurde am 8.6.1949 eingereicht und vom Verband auf der Techniker- und Verbandssitzung am 22.6.1949 einstimmig angenommen. Die schriftliche Bestäti- gung lag bereits am 12.7.1949 vor. Zum gleichen Zeitpunkt hatten wir die „erste“ Mit- gliederversammlung im Poststadion einberufen, weil auch unser Training im Postbad stattfinden sollte. Von immerhin schon 20 Herren-, 3 Damen- und 6 Kindermitgliedern waren 9 (!) stimmberechtigte Mitglieder anwesend: Rudolph Vohs, Werner Holz- mann, Kurt Ackermann, Kurt Schlicht, Horst Ulbricht, Otto Schultz, Albert Peschel, Harry Rabowsky und Herbert Abelt. Etwas komplizier gestaltete sich in finanziellen Fragen die Zusammenarbeit mit dem Hauptverein: Der Monatsbeitrag war für Erwachsene auf 1, — DM, Jugendliche 0,50 DM und Kinder 0,25 DM festgesetzt. Diese Beiträge mussten an den Schatz- meister des Hauptvereins abgeführt werden. In kurzen Abständen trafen sich dann die Vorsitzenden aller Abteilungen mit dem Hauptvorstand. Hier erfolgten u. a. Sach- stands- bzw. Erfolgsberichte und die Genehmigung von Geldern zur Durchführung des Sportbetriebes. Kurios war z. B., dass ich als Vertreter der Schwimmabteilung darüber abzustimmen hatte, ob die Fuß- oder Handballtrikots, Stutzen, Tischtennis- bälle usw. vom Verein bezahlt werden müssen oder vom Sportler selbst (als Schwimmer mussten wir ja unsere Badebekleidung auch selbst kaufen). Umgekehrt mussten die anderen Vertreter wiederum über meine Anträge (Wasserbälle, Schwimmbretter usw.) entscheiden. Es gab jedoch immer einen Weg und Übereinstimmung, vor allem war der Kontakt mit den anderen Abteilungen und dem Hauptverein hervorragend, während heute die Abteilungen ein Eigenleben führen. Erst Ende des Jahres 1950 ist es mir gelungen, gemeinsam mit anderen Vorsitzenden den Hauptvorstand zu überzeugen, dass ge- rade dieses Finanzverfahren ein Hemmschuh für die Abteilungsarbeit ist. Wir wurden also finanziell selbstständig unter Pflichtabgabe eines Prozentsatzes der Beitrags- einnahmen. Am 8.9.1949 fand die 2. Mitgliederversammlung statt. Im Protokoll stand u. a.: “Um die verschieden liegenden Anmarschwege zur Trainingsstätte zu verkürzen, war für das Winterhalbjahr 1949/50 die Benutzung zweier Hallenbäder (Baerwald- und Turmstr. ) vorgesehen.  Da die Hallenmiete in der Bearwaldstr. 25. – DM und in der Turmstr. 15. – DM pro Trainingsabend betragen soll, konnte nur die Turmstr. ange- mietet werden!” Alle Mitglieder mussten hierfür pro Monat 1.25 DM im voraus beim Kassierer bezahlen. Trotzdem waren an manchen Trainingsabenden diese 15. –DM nicht vorhanden, so dass der Kassierer Kurt Schlicht schnell nach Hause fahren musste, um sich von ”Murkel” (seiner Frau) das fehlende Geld auszuleihen! Heute ist das kaum noch vorstellbar, zumal durch das spätere „Sportförderungsge- setz ” die Trainingsstätten den Schwimmvereinen kostenlos zur Verfügung stehen. Doch nicht immer lief alles so reibungslos ab. Aus dem Protokoll der Mitgliederver- sammlung vom 3.4.1950: “Der PSV führt einen zähen und harten Kampf um seine Zulassung im Wettkampfbe- trieb von Groß Berlin. Der Stadtsportverband Berlin geht immer wieder mit unlaute- ren Mitteln gegen den PSV vor. Insbesondere wird dem PSV immer wieder vorge- worfen, er sei ein Betriebs- und Behördensportverein, obwohl nachweislich 70 % sei- ner Mitglieder nicht bei der Polizei beschäftigt sind. Die Rechtsabteilung des Magist-rats hat jetzt entschieden, das der PSV kein Behördensportverein ist, jedoch muss noch der Mehrheitsbeschluss des Stadtsportverbandes abgewartet werden.“ Um bis zur Entscheidung an Wettkämpfen teilnehmen zu können, blieb unsere Schwimmabteilung als „passives Mitglied im PSV“,  wurde aber auf Antrag von uns zum 27.4.1950 „korporatives” Mitglied des ”Vereins für Leibesübungen SPORT- FREUNDE“ (damit war unser grünes S weiterhin das Vereinssymbol). Bereits am 19.11.1950 konnte nunmehr unser erster Start unter der neuen „Firmierung“ beim landesoffenen Schwimmfest des Berliner Taubstummen-Schwimmvereins im Post- bad erfolgen. Wir hatten bereits jetzt die stolze Mitgliederzahl von 293! Am 19.9.1950 kam schon der zweite negative Schlag gegen uns: Die Sportkamera- den Kurt Immig, Norbert Schröder und Kurt Olszewski waren auf dem Wege zum Wasserballspiel gegen SU-Neukölln zur Ganghofer Str.. Beim Durchfahren des Ost- sektors mit der U-Bahn, (in Uniform), wurden sie von ”Volkspolizisten” aus dem Zug geholt und festgenommen! Wie üblich, wurde die Festnahme zunächst vom „Osten“ bestritten, erst Tage später erfolgte dann die Freilassung. (Zu dieser Zeit hielt die U- Bahn auch im Ostsektor noch auf jedem Bahnhof und das Durchfahren war auch nicht verboten)! Mitte September musste ich auf der Mitgliederversammlung die be- stürzende  Mitteilung machen, das unser Mitglied Olaf Bordych In Ausübung seines Dienstes an der Sektorengrenze angeschossen und schwer verletzt wurde (er ist aber heute wieder „wohlauf“. So endeten die Jahre 1949/50 nicht immer glücklich, aber es ging weiter stetig „bergauf“!!