Freiwasser Rostock

Freiwasser Rostock

30. Juli 2019 Wettkämpfe 0

Rostock – Warnowschwimmen

Endlich hatten die Wettbewerbe der Freiwassersaison begonnen und gestartet sind wir dieses Jahr in Rostock.

Das Warnowschwimmen im Hafen ist der erste Teil unserer MV-Allrounder Serie. Angereist sind wir am Wettkampftag, also Samstag mit dem ersten Zug aus Berlin und trudelten somit gegen 8:30 am 13.07. in Rostock ein. Vom Hauptbahnhof läuft man ca. 30 min bis zum Hafen. Dies taten wir bei schönstem Wetter, wir reisten ja nur mit kleinem Gepäck. Als einer der ersten holten wir unsere Startnummer ab und ließen uns großflächig unsere Zahlen auf den ganzen Körper malen. Wenn ich großflächig schreibe, so meine ich auch großflächig. Auf beide Schulterblätter und auf beide Handrücken. Soviel Permanentmarker hatte ich noch nie am Körper getragen. Zum Glück waren wir bei der online Anmeldung früh dran gewesen und hatten mit unseren Startnummern 40 und 41 nur zweistellige Zahlen erwischt.

Gut präpariert und mit Essensmarke, Badekappe und Transponder ausgerüstet suchten wir uns völlig entspannt ein Plätzchen auf der Holztreppe direkt am Ort des Geschehens. So konnten wir genau beobachten wie es langsam voller wurde, hatten alles im Blick und waren am Puls der Zeit. Der DJ und Moderator erklärte den Zeitplan und die Strecke mehrfach, das Einchecken mit dem Transponder und das zu Wasser gehen.

Langsam wurde es Zeit sich die Badebekleidung anzuziehen und sich auf den WK vorzubereiten. Wir stellten uns in die lange Schlange der Schwimmwilligen und durften dann an den Anfang vorrücken, da diesmal zusätzlich zur elektronischen Registrierung anhand des Transponders die gute alte handschriftliche Liste abgehakt wurde. Und damit der Schiedsrichter nicht so lange suchen musste, sollten wir uns nummerisch sortiert aufstellen. Jedes Jahr mal etwas Neues, damit es nur nicht langweilig wird. Dadurch verzögerte sich das zu Wasser gehen und der Start merklich, aber irgendwann hatten es alle geschafft erfasst zu werden.

Wir mussten uns nun zügig zu Wasser begeben und stellten wieder einmal fest, Freiwasser ist immer ein paar Grad kälter als Hallenwasser. Mit 20 Grad wurde das kühle Nass angepriesen und so fühlte es sich auch an. Jedoch nach einigen Minuten in der Brühe, kam es einem schon wärmer vor.

Der Start ging sehr gesittet ab und so machten wir uns auf zur ersten Wendeboje. Diesmal gab es dort kein unfaires Gerangel, was wir sehr lobenswert fanden. Tobias habe ich mal wieder gleich am Anfang aus den Augen verloren und so mussten wir einmal mehr alleine schwimmen. Von Boje zwei zu drei hätten wir gerne einen weiteren Anhaltspunkt gehabt, da es sich um eine lange Gerade handelte. Und wenn man die Augen gerade mal 5-10 cm über der Wasseroberfläche hat, dann fehlt einem schon mal schnell der Überblick und die genaue Richtung und es kann aus einer langen Geraden ein lustiger Zickzack Kurs werden. Aber auch die Hürde meisterten wir und dann ging es auch schon wieder langsam auf die Mole zu. Noch eine Boje und wir konnten zügig zum Ziel. Wie man uns am Anfang eingetrichtert hatte, haben wir brav unser Ärmchen mit dem Transponder an die Zeitmessanlage ca. 50 cm über dem Wasserspiegel gehalten bis es piep. Dann nur noch bis zur provisorischen Leiter treiben lassen und auf den Ponton klettern. Schon hatten wir unser erstes Freiwassererlebnis gemeistert. Wir waren wie immer zufrieden mit unserer Leistung und versuchten etwas von dem Gemisch aus Salz- und Süßwasser, im Rostocker Hafen treffen Ostsee und die Warnow aufeinander, unter den provisorischen Duschen loszuwerden.

Danach verpackten wir uns in unsere Alltagskleidung, verspeisten die leckeren Schwimmernudeln und warteten auf die Auswertung. Da ich letztes Jahr schon meine Siegerehrung verpasst, weil wir zum Zug mussten und ich nicht mit einer Platzierung gerechnet hatte, wollte ich in diesem Jahr zumindest wissen, ob ich aufs Treppchen komme.

Tobias hatte aus beruflichen Gründen einen früheren Zug gebucht und so wartete ich ab 12:00 Uhr alleine auf die Ergebnisse. Diese standen dann auch schnell fest und ich wusste: 3. Platz in meiner AK. Sehr schön, also hieß es weiter warten. Mein Flixbus sollte mich um 15:30 vom Hauptbahnhof zurück nach Berlin bringen. Fußweg zum Bahnhof zügigen Schrittes 30 min. Also hatte ich ja noch genug Zeit. Dachte ich zu dem Zeitpunkt noch. Erst einmal wurde noch das Rennen über 500 m abgewartet, weil da einige schwammen, die auch über die Langstrecke gestartet waren. Okay. 12:30 Uhr 500 m beendet, kann losgehen. Nö, ging es nicht. Es hieß weiter warten. 13:00 Uhr technische Probleme beim Drucken der Urkunden, Blick auf die Uhr bei mir, schaffe ich noch. 13:15 Uhr Siegerehrung startet. Wenn man auf etwas wartet, dann wird das nichts. Man fing mit den Männern an und mit den jüngsten Startklassen. Nun bin ich in der AK 50 eher in der ältesten AK unterwegs, also hieß es sich weiter in Geduld üben.

Endlich meine AK… ja also, da sind die Urkunden noch nicht gedruckt, haben wir vergessen. Wir ziehen die Siegerehrung für die 500 m vor. Wer mich ein wenig kennt, weiß, dass Begeisterung nicht das war, was man auf meinem Gesicht ablesen konnte. Mittlerweile war es 13:45 Uhr. Um 14 Uhr wurde ich langsam unruhig. Die Siegerehrung für die 500 m waren beendet und meine AK noch nicht gedruckt. Kurz überlegte das Organisationskomitee, ob man erst noch den Kinderwettkampf starten lasse könne, bevor man weitermacht, was mich an den Rand des Nervenzusammenbruchs brachte. Nun hatte ich so lange dort ausgeharrt und wollte mich nicht ohne Edelmetall auf den Weg machen. Zum Glück kam um 14:15 Uhr doch noch einer von den Technikern angerannt und hatte die letzten Urkunden dabei. Somit konnte ich stolz aufs Podest steigen und mit meiner hart erschwommenen Medaille den Weg zum Bahnhof um 14:30 Uhr antreten. Somit blieb mir zumindest eine lange Wartezeit in praller Sonne am ZOB in Rostock erspart. Zur Versöhnung des Tages kam mein Bus pünktlich, ich hatte eine Zweierreihe für mich alleine, wir kamen ohne jegliche Verspätung in Berlin an und bereits eine halbe Stunde nach Ankunft am Flughafen Tegel war ich daheim.

Das hört sich jetzt vielleicht alles so easy an, aber es bedarf schon einiges an Vorbereitung. Im Vorfeld muss man sich rechtzeitig zum WK anmelden. Bei manchen Veranstaltungen sind die Teilnehmerplätze begrenzt und es gibt nur ein kleines Zeitfenster zum Anmelden. Bus oder Bahn müssen für den Hin- und Rückweg organisiert werden, Startgelder überwiesen und ggf. Unterkünfte gebucht werden.

Auch sollte man auf Freiwasser eingestellt sein. Es gibt keine Leinen, die Sicht ist teilweise mehr als miserabel und die Wasserqualität lässt auch oft zu wünschen übrig. Ich war z.B. im Vorfeld schon Wochen vorher in unserem ‚Haussee‘. Der Plötzensee liegt nur wenige Schritte vom PSV Delphin Vereinsheim entfernt und bietet gerade morgens eine einmalige Kulisse und anständiges Wasser… wenn man mit ein paar Algen umgehen kann. Dort kann man Schwäne, Kormorane und Graureiher beobachten, manchmal auch die unzähligen Schildkröten und Fische jeglicher Größe. Und wenn man ganz besonders großes Glück hat, auch einmal den Biber, der seit vielen Jahren um den ganzen See verteilt Bäume zu Fall bringt. Aber das ist wirklich sehr selten und wird vermutlich ein einmaliges Erlebnis bleiben. Seitdem weiß ich auch erst, wie groß so ein europäischer Biber werden kann… sehr groß! Und Justin, so habe ich ihn getauft, scheint ein ausgewachsenes Exemplar von über einem Meter Länge zu sein. Nach der Sichtung von Justin ist es die ersten Male auch irgendwie komisch wieder ins Wasser zu springen, man zuckt bei jedem Schatten im Wasser schon ein wenig zusammen. Völlig blödsinnig, da so ein Biber, egal von welcher Größe nur Holz und Rinden knabbert, also der perfekte Veganer ist, aber der Verstand gaukelt einem so einiges vor.

Neben dem Freiwasser geht es natürlich auch noch im Becken ins Wasser. Da kommen in der Woche schon so einige Kilometer zusammen.

Zumindest schien die Vorbereitung gelungen zu sein, ich war in Form. Jetzt hieß es eine Woche in Ahlbeck auf Usedom verbringen und weiter in und mit den Wellen der Ostsee schwimmen, denn der nächste Wettkampf war bereits 7 Tage später in Greifswald.

Angi