Greifswalder Boddenschwimmen

Greifswalder Boddenschwimmen

16. August 2019 Wettkämpfe 0

Greifswald – Boddenschwimmen

Für unseren zweiten Teil des MV-Allrounders zog es uns am 21.Juni in die Hansestadt Greifswald um dort durch die Dänische Wieck zu schwimmen.

Während Tobias aus Berlin anreiste, machte ich mich aus Ahlbeck auf den Weg um gemeinsam den Vorabend in Greifswald beim Hafenfest ausklingen zu lassen. Das Fischerfest Gaffelrigg ist nicht nur das größte maritime Volksfest in Mecklenburg-Vorpommern, sondern dauert auch volle drei Tage. Jedes Jahr lockt es bis zu 50.000 Gäste an, die gefühlt alle am Samstag gemeinsam mit uns dort waren.

Das Klientel größtenteils gewöhnungsbedürftig und teilweise schon beim Betreten des Festes gut alkoholisiert, versuchten wir zu gut es ging zu umgehen.

Von der Hafenmauer schauten wir auf den Bodden und gingen in diesem Moment noch davon aus, dass wir, wie im Vorjahr, mit den Booten nach Ludwigsburg übersetzen und von dort 2,6 km zurück Richtung Hafen schwimmen würden. Wir schauten uns bereits die Marineschnellboote an und freuten uns auf eine rasante Fahrt über den Bodden.

Doch beim Freiwasserschwimmen gibt es zwei Regeln:

  1. Es kommst immer anders und
  2. …als man denkt!

Mit dicken schwarzen Wolken und mehreren Regenschauern traten wir den Rückweg zur Herberge an um genügend Schlaf für den bevorstehenden Freiwasserwettkampf zu bekommen.

Sonntagmorgen wurden wir von Gunnar, einem befreundeten Mitschwimmer von Vorspiel in unserer Unterkunft abgeholt. Gemeinsam steuerten wir erneut den Hafen von Greifswald an. Wir besorgten uns unsere Startunterlagen, ließen uns einen Stempel in unseren Sammelpass für den MV-Allrounder drücken und suchten uns ein ruhiges Plätzchen im Schatten.

Wir begrüßten alte Bekannte, schauten aufs Wasser und fingen langsam mit unseren Vorbereitungen an: Umziehen, den wohl langweiligsten DJ ignorieren, Kontaktlinsen einsetzen, die Mitstreiter auschecken und ein wenig übers Gelände der DLRG schlendern. Doch irgendwann bemerkten wir, dass die Bojen nicht von Ludwigsburg Richtung Hafen gesetzt wurden, sondern sich im Bodden sammelten. Schließlich kam die Durchsage, dass aufgrund des schlechten Wetters der Kurs verlegt werden musste. Es wurde bei vorhergesagter Windstärke 4-5 mit sehr hohen Wellen gerechnet, was eine vermeidbare Gefahr beim Schwimmen bedeutete. Es wurde kurzerhand ein Rundkurs angelegt, der ‚ungefähr die gleiche Streckenlänge‘ hat. Das dies nicht der Wahrheit entsprach, erfuhren die Zuschauer, als wir Schwimmer bereits im Wasser waren.

Wahrscheinlich ist es manchmal besser nicht zu wissen, dass aus einer 2,6 km langen Strecke mal eben ein 3,2 km langer Rundkurs wird.

Der Start erfolgte vom Strandbad Eldena. Als wir vom Steg ins Wasser stiegen reichte es uns gerade einmal bis zum Knöchel. Also schoben wir uns schnell 10m nach vorne um zumindest Wadenhöhe zu erreichen.
Der Start erfolgte plötzlich und unerwartet. Wir rannten die nächsten 30m um zumindest in kniehohes Wasser zu gelangen, der niedrigste Stand um halbwegs anständig schwimmen zu können. Danach war ich etwas aus der Puste. Rennen ist einfach nicht meine Lieblingssportart. Aber um mich davon abzulenken, kreisten meine Gedanken um die erste Wendeboje, die wir umrunden mussten, um auf den Rundkurs im Uhrzeigersinn zu gelangen. Die erste Boje war kaum zu übersehen, hatte sie wie im Vorjahr ein überdimensionales Einhorn an seiner Seite. Wir schwammen wieder gegen Wellen und Wind auf das bunte Fabelwesen zu und hofften, es zügig zu erreichen. Nachdem diese erste Hürde genommen wurde, war es ein leichtes dem weiteren Kurs zu folgen. Die DLRG Greifswald hatte viele gut sichtbare Bojen ausgelegt, die wir selbst bei schwerem Wellengang schnell orten konnten. Ich für meinen Teil, bin gefühlt Ideallinie geschwommen, da ich mit der rechten Schulter jedes Mal knapp an allen Markierungen vorbeigeschwommen bin. Allerdings kam nach gefühlt der Hälfte der Gedanke auf, wie weit es bis ins Ziel ist.

Als es endlich Richtung Strandbad ging, zog es sich die Strecke jedoch immer mehr.

Im letzten Jahr konnte man sich gut am Riesenrad des Hafenfestes orientieren, doch dieses Mal gab es eine Doppelboje, die man mit der linken Schulter passieren musste um anschließend Richtung Hafenbecken abzubiegen. Die Strecke war teilweise so flach, dass ich vier- bis fünfmal mit der Hand durch den sandigen Untergrund zog. Tobias hatte dieses Problem nicht, dafür hatte er wohl mindestens zwei Begegnungen mit Quallen, die er zärtlich streichelnd hinter sich ließ.

Beide erreichten wir mit guten Zeiten das Ziel und erfuhren sofort, dass Gunnar das gesamte Rennen gewonnen hatte. Die örtliche Presse riss sich um ihn und wir waren sein begeisterter Fanclub. Doch auch ich durfte aufs Treppchen, da ich in meiner AK den zweiten Platz belegte. Die Siegerehrung war jedoch erst für 15:00 Uhr vorgesehen und so durften wir uns auf dem schönen Hafenfest noch ein wenig die Zeit vertreiben.

Mit Präsenten beladen machten wir uns auf den langen Fußweg zum Auto und sofort auf die Straße Richtung Berlin. Mit dem Rückreiseverkehr hatten wir verhältnismäßig Glück und mussten erst kurz vor Berlin etwas Geduld für einen Stau aufbringen.

Müde und glücklich fielen wir daheim in unsere Betten und waren in Gedanken schon beim nächsten Wochenende. Bis Ende August haben wir jedes Wochenende Freiwasserwettkämpfe. Manchmal sogar zwei Veranstaltungen an zwei Tagen. Man könnte auch andere Hobbys haben, aber WARUM?

Fortsetzung folgt…

Angi