Insel der Freundschaft

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26. August 2019 Wettkämpfe 0

Warum die Potsdamer Algen besonders anhänglich sind – Inselschwimmen 10.08.2019

Als Berliner ist man auch mal froh, wenn man nicht durch die halbe Republik fahren muss, um an sein Wettkampfziel zu gelangen.

Mit Potsdam hatten wir die bisher kürzeste Anreise unserer Freiwassersaison. In knapp 20 Minuten sind wir vom Berliner Hauptbahnhof zum Hauptbahnhof in Potsdam gefahren. Von dort waren es nur noch ein paar Schritte über die Brücke, bis wir unser Ziel, die Insel der Freundschaft, sehen konnten. Bei der DLRG in Potsdam angekommen, suchten wir das Anmeldezelt, entrichteten unsere Startgebühr und ließen uns, wie schon so oft, unsere Startnummer auf den Oberarm malen.

Das größte Problem mit den Startnummern ist die spätere Entfernung des wasserfesten Eddings, was mitunter relativ zeitaufwändig sein kann. Allerdings habe ich gerade in Potsdam gelernt, dass das Reinigen des Körperteils ganz schnell mit einem Hygienetuch oder einem Hygienegel geht. Man lernt halt nie aus…

 

Gut markiert machten wir uns auf, um den Rest der Zeltstadt zu erkunden. Gleich am ersten Stand konnten wir gegen einen Obolus von fünf Euro als Andenken ein T-Shirt vom Inselschwimmen der DLRG Potsdam erwerben. Nun haben wir auch von dort ein weißes Stück Stoff, dass uns immer an diesen Freiwasserwettkampf erinnern wird. Im letzten Jahr konnten wir an diesem Stand unsere Taschen unterstellen, doch in diesem Jahr hatten die Verkäufer gewechselt und wir kannten niemanden. Bei den meisten Freiwasserveranstaltung ist es ein Manko, dass man seine Taschen nirgends unterstellen kann. Wir glauben zwar generell an das Gute im Menschen, aber dennoch würden wir es lieber sehen, wenn unser Hab und Gut irgendwo sicher untergebracht wird. Bisher hatten wir immer Glück und konnten Zuschauer ansprechen, die als Begleitperson eines anderen Schwimmers vor Ort waren und so ein Auge auf unsere Sachen hatten.

Während wir also überlegten, wen wir als erstes ansprechen sollen, lief uns ein bekanntes Gesicht über den Weg. Gunnar von Vorspiel | BSC Robben, mit dem wir gerade zwei Wochen zuvor in Greifswald waren. Gunnar trainiert oftmals bei Vorspiel und startet bei Wettkämpfen für die BSC Robben. Von diesem Verein waren zwei Mitstreiter angereist plus eine Begleitperson. Diese junge Dame konnten wir mit einem Lächeln überzeugen, auch auf unsere Sachen aufzupassen. Somit war unsere größte Sorge ganz schnell vom Tisch.

 

Die Inselumrundung in Potsdam findet jährlich erst um die Mittagszeit statt. Da wir also gemütlich ausschlafen und frühstücken konnten, stellte sich vor dem Start um 14:00 Uhr schon wieder ein leichtes Hungergefühl ein. Dieses unterdrückten wir durch Energieriegel und Banane. In Potsdam bestreiten wir die kürzeste Strecke unserer Freiwassersaison, weshalb ich mich dummerweise für einen normalen Trainingsbadeanzug entschieden hatte. Was sich als nicht allzu schlau erwies.

Mit dem Startpfiff versuchten wir uns so schnell wie möglich, auf dem kürzesten Weg durchs Wasser zu kämpfen. Leider muss man immer wieder von kämpfen reden, denn einige Schwimmer halten dieses Jedermann-Schwimmen für eine Boxveranstaltung. Vor allem im Start- und Zielbereich ist es häufig ein Hauen und Stechen, bei dem von sportlichem Umgang nicht mehr die Rede sein kann.

Während des Wettkampfes bahnte sich eine lange pieksende Alge ihren Weg über mein Dekolleté bis ins tiefste Innere meines Badeanzuges und verblieb dort bis zum Ende. Netterweise haben sich Im Laufe des Rennens auch noch einige Freunde dazugesellt, die sich in der Bauchregion meines Badeanzuges vergnügten und meine Haut piesackten. Umso angespornter war ich, die 1,7 km lange Schwimmstrecke schnellstmöglich hinter mich zu bringen.
Doch kurz vor dem Zielbereich waren gleich drei Männer der Meinung, sie müssten unbedingt vor mir an der Zielanschlagmatte ankommen. Zwei von ihnen überschwammen mich, der dritte drückte mich noch bevor ich meine Hand heben konnte unsanft beiseite. Mir ist einfach nicht klar, was das mit sportlicher Fairness zu tun hat. Ich kann auch nicht verstehen, warum Männer eine Frau wegdrücken, die mit ihren Ergebnissen rein gar nichts zu tun hat. Zum Glück bin ich dennoch ohne größere Probleme ins Ziel gekommen. Während ich auf den Ausstieg aus dem Wasser wartete, der nur über eine einzige Leiter für alle Teilnehmern möglich war, staute sich die Menge und ich erblickte Tobias, der nur kurz nach mir im Ziel ankam. Wir kletterten beide an Land und durften sofort unsere Medaillen in Empfang nehmen, denn bei dem Inselschwimmen Potsdam bekommt jeder Finisher eine Medaille. Wie ich finde, eine sehr nette Geste.
Während ich mich von den Algen befreite, wurden bereits die Ergebnisse ausgehangen. Unser Freund Gunnar hatte in der Gesamtwertung den dritten Platz erreicht. Die Altersklasse von Tobias war hingegen so stark besetzt, dass man schon zu den „Profi“ Schwimmern gehören musste, um auf einen Podestplatz zu hoffen. Ich habe alles gegeben und konnte in meiner Altersklasse den zweiten Platz belegen, was in der Regel für Tobias lange Wartezeit nach sich zieht. Doch ich denke, dass ist sein Dankeschön an mich, da ich für ihn regelmäßig an der Marathonstrecke stehe. Und falls ich es nicht oft genug sage, an dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Tobias, der dieses Jahr sehr viel Geduld mit mir und den Siegerehrungen gehabt hat.

Stolz wie Bolle durfte ich also in meiner Altersklasse auf das Siegerpodest klettern und freute mich über die silberne Medaille. Nur einen Katzensprung zurück nach Berlin konnten wir den Abend ausklingen lassen und freuten uns, am nächsten Morgen mit dem Zug nach Schwerin und unserem nächsten Event zu fahren.

Angi