Kummerower Seeschwimmen

Kummerower Seeschwimmen

20. August 2019 Wettkämpfe 0

Vom Reinfall auf Rügen zum Kummerower Seeschwimmen – 28.07.2019

Ich packe meinen Koffer (Rucksack) und packe ein…

  • Wettkampfanzug (und einen Ersatzbadeanzug, man weiß ja nie)
  • Zwei Badekappen (eine könnte ja reißen)
  • Schwimmbrille (auch hier eine Ersatzbrille)
  • Ohrstöpsel (gibt es nur einmal, weil sie speziell angepasst wurden)
  • Handtuch (eins reicht oder?)
  • der alltägliche Kram um ein Wochenende im Nirgendwo zu überleben
    (Zahnbürste, Sonnencreme, Bürste, Wechselwäsche, Nachtzeug, Buch…)

 

Dieses Procedere wiederholte sich Wochenende für Wochenende und trotzdem überlegte ich jede Woche aufs Neue, ob ich etwas vergessen habe. Eine Routine schleicht sich leider nie ein. Jedes Mal habe ich das Gefühl etwas Wichtiges vergessen zu haben. Aber vielleicht ist das gar nicht schlecht, denn man bleibt immer aufmerksam. Und ja, ich habe bereits eine ‚Kofferliste‘ zum Abhaken. Aber jedes Schwimmevent ist anders und manchmal kam etwas dazu, andere Male fiel etwas weg. Jetzt mag der eine oder andere sich denken: warum nimmt man nicht einfach alles mit?
Ganz einfach, weil wir selten mit dem Auto anreisen und manchmal lange Fußwege von den Verkehrsmitteln zum Event zurücklegten müssen. Gerade wenn der Rucksack gefühlte 50 Kilogramm wiegt, und spätestens auf dem Rückweg mit den ganzen nasse Klamotten ist das der Fall, möchte man nur das nötigste mit sich herumschleppen.

Aber weiter im Text. Am Samstag ging es extrem früh los, da wir nach Binz auf Rügen wollten. Weil gerade Sommerferien waren, mussten wir auf dem Weg an die Ostsee mit Stau rechnen. Wir hatten jedoch Glück und waren gegen 8:30 Uhr auf der Rügenbrücke.

Ich unterrichtete pflichtbewusst unseren Fachwart Schwimmen vom Berliner Schwimmverband, Thomas Beyer, von unserer pünktlichen Anreise. Da dieser auf Rügen wohnt, freute er sich über Mitstreiter wie Tobias und mich.
Nachdem wir etwas entfernt von der Seebrücke einen Parkplatz gefunden hatten und bereits auf dem Weg zur Ostsee waren, um unsere Startunterlagen abzuholen, rief Thomas an und teilte uns mit, dass wir uns nicht beeilen müssen. Er war mit dem Rad vorgefahren und hatte mitbekommen, dass das Freiwasserevent wegen schlechter Wetterbedingungen abgesagt worden ist.

Ärgerlich, aber so etwas kann einem da draußen schon mal passieren. Als wir den Strand erreichten, konnten wir das Problem mit eigenen Augen erkennen. Die Bojen, die sich als Abgrenzung von Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich mit Betonklötzen beschwert im Wasser befanden, waren über Nacht durch starken Wind und Strömung bis auf den Strand gespült worden. Die DLRG Boote, die unsere Wettkampfmarkierungen setzten sollten, kamen durch die hohen Wellen nicht einmal raus aufs Meer. Somit hatte der Veranstalter aus Sicherheitsgründen entschieden, dass es bei dem Wellengang unverantwortlich wäre, uns in die Wogen zu schicken.
Man darf bei solchen Veranstaltungen auch nie vergessen, dass es sich meistens um sogenannte Jedermann Wettkämpfe handelt und sich auch weniger geübte Schwimmer ins Wasser wagen würden. Meist kommen spezielle Kinderwettkämpfe dazu und dann muss der Ausrichter die Notbremse ziehen und absagen. Für uns Sportler dann doppelt ärgerlich: wir hatten nicht nur die lange Anreise, sondern das Startgeld war auch futsch.

Doch zumindest bekamen wir unsere Startbeutel mit Badekappe und Gutschein für ein Freigetränk ausgehändigt, wodurch wir Strandräuber Bier mit Sanddorn kosten konnten.

Bei Thomas genehmigten wir uns noch ein zweites Frühstück und unterhielten uns über Schwimmen und Geschichten über Rügen. Die Zeit verging wie im Flug

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Baumwipfelpfad machten wir uns gegen Mittag gut gestärkt auf den Weg Richtung Kummerow, wo wir am nächsten Tag über 2,5 km durch den See schwimmen wollten. Wir übernachteten in Malchin, in der Nähe der Reutherstadt Stavenhagen. Ein Katzensprung zum Start. Das Frühstück war im Hotel Markus mitinbegriffen und so schlemmten wir noch ein wenig am Buffet. Schließlich kostet so eine Seedurchquerung viel Kraft. Wieviel sollten wir erst beim Schwimmen erfahren.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum See. Dort angekommen legten wir brav unseren Allrounder-Pass zum Abstempeln vor und holten uns unseren Startbeutel und eine Startnummer auf dem Oberarm.

Zeitgleich mit uns starteten motivierte Läufer, um einen Halbmarathon zu absolvieren. Es ist wohl jedes Jahr ein Stechen zwischen Schwimmern und Läufern, wer als erstes ins Ziel kommt.

Da diese Seedurchquerung von Salem startete, wurden wir Sportler von Kummerow mit dem Bus zum Start chauffiert. Es kamen drei Linienbusse, die mit der Bezeichnung ‚Sportlerfahrt‘ gekennzeichnet waren. Auf dem Weg lieferten sich unsere Busfahrer ein kleines Battle um die kürzeste Strecke. Wir haben trotz geschlossener Bahnschranke gewonnen! ;D

Auf der anderen Seeseite angekommen, hatten wir noch ein wenig Zeit um den Blick übers Wasser schweifen zu lassen. Alles sah ruhig und friedlich aus und erweckte nicht den Eindruck anstrengend zu werden. Die Strecke war ziemlich gerade und gut mit Bojen gekennzeichnet.

Das Startprocedere begann: Ausziehen, umziehen, Kontaktlinsen rein und eine wieder raus weil sie drückt, wieder rein, Badekappe suchen, Ohrstöpsel rein, einer wieder raus, damit man den Sprecher noch hört, den Sack mit den Klamotten zum Transportfahrzeug bringen, langsam Richtung Wasser gehen und vorsichtig einen Zeh hineintauchen.

Tobias fand es ziemlich frisch, während ich das Wasser als angenehm warm empfand. Vergeblich warteten wir auf eine Einweisung. Die Übereifrigen wurden wieder aus dem Wasser geholt, jaja auch ich gehörte dazu, und wir mussten alle am Strand Aufstellung nehmen. Erst mit dem Startsignal liefen wir ins Wasser und schwammen los, sobald es tief genug war.

Schon nach den ersten 50 Metern stellten wir fest, dass das Wasser gar nicht so ruhig war. Die Wellen kamen von links mit bis zu 50 Zentimetern Höhe. Es war wie Schwimmen im Wellenbad, nur mit dem Ziel vorwärts zu kommen. Zum Glück hatte Tobias mir kurz vor dem Start noch gezeigt, dass sich der Zielbereich genau unter dem Schloss befindet. So konnte ich mich daran orientieren. Was ihm nicht ganz so gut gelang, denn Tobias wurde von den Rettungskräften gebeten, sich doch bitte wieder ein wenig mehr auf die Strecke zu begeben. Kaum bin ich als Leitkuh mal nicht neben ihm, schon tobt er auf anderen Weiden! Irgendwie will er einfach nicht verstehen, dass dadurch seine Schwimmstrecke unnötig verlängert wird. Tztztz

Zurück zum Wellenbad. Die Bojen waren bei dem Wellengang leider kaum zu erkennen. Meist sah ich eine von denen erst, wenn sie direkt neben mir auftauchten. Aber das Schloss hatte ich fest im Blick. Also immer darauf zu. Die letzten 100 Meter wollte ich noch einmal richtig Gas geben, weiß der Himmel warum. Also zog ich das Tempo noch einmal an und schwamm so schnell ich konnte. Komisch nur, dass die beiden Herren vor mir schon standen und auf den Strand zu rannten. Ich zog mein Ding durch und schwamm bis die Flossen den Boden berührten. Schnell auf die Füße gestellt, was nach so einer Strecke nicht wirklich einfach ist und auch nicht elegant aussieht, aber egal. Flotten Tempos machte ich mich auf in Richtung Ziel. Und da waren sie: Muscheln und große spitze Steine, über die man nun stolperte. Vom Strand kam die Ansage: “Wenn die Dame sich beeilt, dann schafft sie es noch unter 50 Minuten ins Ziel”. War ich damit gemeint? Ich wagte einen kurzen Rundumblick, ja, ich war es, kein weiteres weibliches Wesen vor, neben oder hinter mir. Also Zähne zusammengebissen und los gehts. Die Fußsohlen taten mir zwar noch drei Tage später weh, aber es hat geholfen, ich blieb mit meiner Zeit knapp unter 50 Minuten.

Im Zielbereich bekam jeder Seedurchquerer eine Medaille. Auch die Verpflegung von uns Schwimmern und den Läufern war wirklich liebevoll und reichlich.

Nachdem ich mindestens zwei Liter getrunken hatte (kurz vor dem Ziel verschluckte ich eine Alge, die weggespült werden musste) machte ich mich auf die Suche nach unseren Rucksäcken und wartete auf Tobias. Einen Vorteil hat es für ihn, wenn ich vorher ankomme, ich kann Zieleinlauffotos von ihm machen und bereits unsere Sachen zusammensuchen.

Die Siegerehrungen waren für 13:30 Uhr angesetzt und wir fieberten dieser wie immer entgegen. Zuerst kamen die Halbmarathonläufer und im Anschluss wir Schwimmer.

Die Freude über den dritten Platz in meiner Altersklasse wurde noch größer, als ich den schönen Pokal überreicht bekam. Doch auch Tobias muss sich hinter seinem 8. Platz auf keinen Fall verstecken.

Mit Edelmetall und kleinen Geschenke zogen wir Richtung Auto und machten uns auf den Heimweg. Die nächsten sportlichen Herausforderungen stand bereits an: Unsere längste Schwimmstrecke für diesen Sommer sollte am kommenden Wochenende stattfinden, der Müritzman, mit 3,9 km in Waren.

Bericht folgt…

Angi