Quer über den Müggelsee

Quer über den Müggelsee

21. September 2019 Wettkämpfe 0

Müggelsee 3,5 km

Falls sich irgendjemand mal fragt, wann ich meine Berichte immer so schreibe: zum Beispiel auf dem Weg zum nächsten Event. So wie dieses Mal. Wir sind gerade auf der Autobahn nach Rügen unterwegs, Tobias fährt und ich habe ein weiteres Mal den Laptop auf dem Schoß.

Es wird jede freie Zeit genutzt. Entweder zum Berichte schreiben oder zum Trainieren. Wenn man die teilweise immer länger werdenden Strecken bewältigen möchte, so sollte man darauf auch sportlich vorbereitet sein.

Für mich ging die Vorbereitung bereits im Mai bei 14 Grad Wassertemperatur im Plötzensee los. Die Temperaturen stiegen, die Wassertemperatur auch und ich war neben unserem Masters Training Montag und Donnerstag in der Halle und mittwochs im Freibad zusätzlich noch zwei Mal in der Woche im See. Dazu kamen noch einige private Ausflüge in die Freibäder unserer Hauptstadt. Angefangen beim Insulaner, über das Lochowbad in Wilmersdorf, bis hin zum Olympiastadion. Für letzteres schlägt mein Herz etwas höher. So schön es auch ist im Natursee Plötzensee zu schwimmen und man gleich unser Vereinsgelände nutzen kann, diese geschichtsträchtige Sportstätte hat es mir einfach angetan. Es gibt zwei Sportschwimmerbahnen à 50 m bei angenehmen 26 Grad Wassertemperatur. Diese sind auch nur mit einer Handvoll Damen und Herren belegt. Manchmal kommt es vor, dass mehr los ist und dann vermutet man, dass einige der Schwimmer*innen schon bei den Olympischen Spielen in diesem Becken geschwommen sind. Aber ich schweife ab. Ich wollte euch nur einmal aufzeigen, dass hinter all dem Spaß und diesjährigen Erfolgen viel Zeitaufwand und Enthusiasmus stecken. Zeitweise war ich in der Woche sieben- bis achtmal im Wasser. Und nein, mir sind noch keine Schwimmhäute gewachsen. Und da unser Verein es mit so viel Wasserfläche ermöglicht sich sportlich zu betätigen, kann ich nur jedem raten, sich das eine oder andere Mal ins kühle Nass zu stürzen. Tobias läuft mehr und schwimmt etwas weniger, aber er hält diesen Sommer tapfer mit und wird von Wettkampf zu Wettkampf schneller. Also falls jetzt noch jemand Lust auf Bewegung bekommen hat, einfach mal versuchen, tut gar nicht weh! Ambitionierte Mastersschwimmer werden immer gesucht. Auch unsere Seniorengruppe würde sich über Zuwachs freuen. Und dazu muss man sich nicht alt fühlen oder sogar sein, ganz im Gegenteil, es reicht der Spaß an der Bewegung und Geselligkeit. Zusätzlich lernt man ganz nebenbei tolle Leute kennen.

Zurück zum eigentlichen Thema: Das Freiwasserschwimmen im Müggelsee.

Wenn man durchs Wasser von Friedrichshagen nach Rangsdorf zum Freibad möchte, so geht das durchaus quer durch den See. Man legt dabei 3,5 km zurück und orientiert sich an den ausliegenden Bojen.

Es hieß auch diesmal früh aufstehen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln so nah wie möglich an den Start in Friedrichshagen gelangen. Nur einen kurzen Fußweg und durch den Spreetunnel und schon standen wir auf dem Gelände der Seglergemeinschaft. Wir holten uns unseren Transponder, Startnummer, Badekappe und unsere Kriegsbemalung. Dem liebevoll gepackten Päckchen lagen noch die Gutscheine für den anschließenden Erbseneintopf und für das Eventshirt bei.

Dieses Mal hatte es den Farbton neongrün. Damit übersieht uns nie wieder jemand! Aber bevor wir das Shirt unser Eigen nennen konnten, mussten wir die 3,5 km durch den See zurücklegen. Das Shirt gab es nämlich nur im Zielbereich.

 

Das Wetter meinte es an diesem Tag nicht so gut mit uns. Wir sind zwar trocken zum Start gekommen, mussten dort dann aber Schutz vor dem Regen suchen. Wir Schwimmer mögen zwar Wasser, aber nicht von oben! Wir hatten ein schönes Plätzchen unter einem Sonnen-Regen-Schirm und konnten so das weitere Geschehen entspannt beobachten. Mehrfach wurden Ansagen gemacht, dass wir sämtlichen Schmuck abzulegen haben und nur Schwimmbekleidung laut DSV Richtlinien zugelassen waren. Eine Zuwiderhandlung würde zur Disqualifikation führen. So viel Einschränkungen gab es noch nicht einmal bei den NDM in Hamburg. Also puhlten wir sämtliches Geschmeide von uns und beobachteten weiter die langsam anwachsende Schwimmgemeinde. Zwischendurch lichteten sich auch die Wolken und der Regen hörte auf.

Das Müggelseeschwimmen hatten wir dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Plan. Wir haben von einigen Leuten im Vorfeld gehört, dass es sehr gut organisiert ist. Das können wir nun absolut bestätigen.

Die Vielzahl der Schwimmer werden in Gruppen à 50-70 Sportlern eingeteilt. Angefangen wird mit den Startnummern. Wer sich als erstes anmeldet, hat die erste Startnummer und ist somit in der ersten Gruppe. Somit wird hier nicht unterschieden, wer wie schnell schwimmt. In jeder Gruppe gibt es Sprinter und entspannte Brustschwimmer. Auch am Veranstaltungstag waren noch Nachmeldungen zugelassen, so gab es dieses Jahr 9 startende Gruppen. Tobias und ich hatten das Glück in der dritten Gruppe zu sein. So konnten wir uns bei den beiden Gruppen davor anschauen, wie es abläuft.

Da unsere Sachen in einen Kleintransporter geladen werden mussten, damit sie pünktlich zu unserer Ankunft auf der anderen Seeseite waren, blieb uns nichts weiter übrig, als in reiner Badebekleidung die letzten 30 Minuten zu verweilen. Gegen den Wind hüllten wir uns in Haute Couture, in diesem Fall: in Haute Coutüte. Wir schlüpften nämlich in Müllsäcke und blieben dadurch warm.

Die Starts der einzelnen Gruppen erfolgten alle drei Minuten. Die erste Startgruppe wurde aufgerufen, ging zum Vorstartfeld, lief auf den Steg nach vorne und ging ins Wasser nachdem die Gruppe komplett war. Sofort wurde die zweite Gruppe aufgerufen und im Vorstart gesammelt. Nachdem Gruppe 1 gestartet war, ging Gruppe 2 vorne an den Steg. Schon waren wir an der Reihe und gesellten uns zu Gruppe 3. Zum Start sprangen wir in das 1 m unter uns liegende Wasser ohne vorher auch nur einen Zeh ins Wasser gehalten zu haben. Aber rein mussten wir ja eh, also Zähne zusammenbeißen und hopp. Ging auch, Wassertemperatur lag bei 20 Grad. Auf die Plätze und schon ging es auf die Reise. Durch die kleinen Startgruppen gab es kein Gerangel beim Losschwimmen und auch auf der gesamten Strecke kam man sich nicht einmal in die Quere. Irgendwann überholten wir die langsameren Schwimmer der zweiten Gruppe und schwammen gut gelaunt weiter. Die Bojen waren in regelmäßigem Abstand gesetzt. Die Sonne kam raus, es fing an zu regnen, die Bojen…. momentmal, wo war denn die nächste Boje? Keine zu sehen! Nun gut, an Land wollten wir ja alle, also Augen geradeaus und in die vermutlich richtige Richtung weiterschwimmen. Bei mir löste sich unzählige Male das Klettband vom Transponder. Da ich keine Lust auf 20 € Ausgleichszahlung für den Verlust hatte, pfriemelte ich die gesamte Strecke über an dem Teil rum. Das Wasser war ziemlich sauber, Tiere habe ich gar keine gesehen. Irgendwann kamen auch die freundlichen gelben Bojen wieder ins Blickfeld und weiter ging es Richtung Strandbad. Nun wurden auch wir von den schnellsten Schwimmern der nach uns startenden Gruppe überholt. Also einfach mal versuchen, sich so lange wie möglich dranzuhängen. Geht nach 3 km nicht mehr ganz so gut, aber ein paar Sekunden konnten wir schon gutmachen. Dann kam das Strandbad in Sicht und kurz vor dem Ziel wunderte ich mich, dass die drei Männer vor mir schon standen und durch das kniehohe Wasser rannten. Da meine Beine beim Schwimmen nur Beiwerk sind, können diese vom Ausruhmodus sehr schlecht auf Laufmodus umschalten. Daher schwamm ich bis zur Zeitnahme. Da der Bauch noch nicht auf dem Sand schrammte, war schwimmen auch durchaus noch möglich. Nach dem erlösenden Piep des Transponders, versuchte ich einmal mehr, wenig elegant auf meine Beine zu gelangen. Naja, schön ist anders. Der Weg auf den Strand zog sich dann immer noch einige Meter hin und die zwei Stöcker am Ende des Körpers versagten fast ihren Dienst. Auch an Land war die Organisation sehr gut. Es gab sofort etwas zu trinken und Obst um seine Energiereserven wieder aufzufüllen. Der Transport mit den Rucksäcken war auch schon vor Ort und unser Eventshirt durften wir ebenfalls sofort in Empfang nehmen. Wir schmissen uns in unsere Straßenkleidung, fielen über den Erbseneintopf her und nachdem wir einen Insider nach den Ergebnissen befragt hatten, warteten wir geduldig auf die Siegerehrung. Ich durfte mich über einen 2. Platz in meiner AK freuen. Neben mir auf dem Podest zwei weitere Berlinerinnen. Also definitiv ein heimisches Familientreffen. Nach Urkunden- und Medaillenübergabe noch schnell ein Foto fürs Archiv und ab ging es auf den Weg nach Hause.

 

Das Müggelseeschwimmen zählt, wie bereits einmal erwähnt, zum MV-Cup. Wird aber aufgrund seines späten Termins erst in die Wertung des Folgejahres gerechnet. Somit haben wir für 2020 bereits unseren ersten Start für den Allrounder in der Tasche ;D

 

Angi