Wismar statt Berlin

Wismar statt Berlin

25. September 2019 Wettkämpfe 0

Ersatzschwimmen in der Wismaer Bucht 25.09.2019

Nachdem auch der zweite und damit Ersatztermin für das Berliner Flußbad-Schwimmen abgesagt wurde, das erste Mal wegen zu starker Regenfälle und des dadurch in die Spree einfließenden Abwassers und das zweite Mal wegen krankheitserregender Keime, die im Wasser bei einer vorsorglichen Prüfung festgestellt worden sind, war auf einmal unser heimatlicher Saisonabschluss in der Hauptstadt für die Freiwassersaison sprichwörtlich ins Wasser gefallen.

Am Samstag waren wir noch auf Rügen aktiv und geplant war direkt nach Berlin zu fahren.

Da wir aber noch heiß und gerade jetzt super durchtrainiert waren, wollten Tobias und ich noch mindestens einmal ins Wasser. Kurz entschlossen suchte Tobias ein bekanntes Freiwasserschwimmen raus und nach kurzer Rücksprache mit mir stand fest, wir fahren nach Wismar.

Wismar ist ja nicht wirklich so weit weg von Rügen… naja, zumindest auch Ostsee. Also machten wir uns gleich nach unserem letzten Eisbecher in Lauterbach auf die Autofahrt runter von der Insel und hin zur Hansestadt. Wismar ist Kreisstadt des Landeskreises Nordwestmecklenburg. Warum die Altstadt Wismar auf der UNESCO Welterbeliste steht wird einem bewusst, sobald man davorsteht. So eine schöne alte Hansestadt habe ich selten gesehen. Also machten wir uns am späten Nachmittag auch gleich noch auf zum Sightseeing. Danach war noch Sonnenuntergang am Hafen angesagt. Dabei warfen wir auch schon mal einen Blick ins Wasser. Hätten wir lieber nicht tun sollen….. Quallen! Zwar nur eine Handvoll, aber immerhin. Nun gut, der Wettkampf sollte ja nicht im Hafenbecken stattfinden, sondern von der Insel Poel durch die Wismaer Bucht nach Hohenkirchen. Wir konnten ja auch noch eine Nacht drüber schlafen. Also ab ins Hotel und schnell ins Reich der Träume, damit wir am nächsten Morgen fit waren für 3,5 km Ostsee.

 

Nach einem bescheidenen aber ausreichenden Frühstück auf der Bettkante machten wir uns auf den Weg zur DLRG Station in Hohenkirchen. Die spontane Nachmeldung verlief sehr schnell und so hatten wir noch Zeit faul im Strandkorb zu sitzen (Tobias) oder mit den Füßen im warmen sauberen Wasser den Strand auf und ab zu laufen (Angi). Weit und breit keine Quallen. Na das war doch mal was. Das Wasser sah klar und super sauber aus, war angenehm temperiert und keine Tiere. Sehr schöne Aussichten für den Wettkampf.

 

Um 10:30 Uhr ging es in die 3 Busse, die uns zur Insel transportieren sollten. Was ein Spaß: wir wurden mit vorausfahrendem Polizeiwagen bei Blaulicht und Sirene über sämtliche rote Ampel gelotst. Der Verkehr musste für uns warten. Was kamen wir uns wichtig vor. Irgendwie nur irritierend, dass unser Busfahrer dazu das Titanic Lied von Celine Dion spielte…

 

Mit ein wenig Verspätung gelangten wir sicher an den Strand auf der Insel Poel. Umgezogen waren wir schon, unseren Rucksack konnten wir im Bus lassen, der den Weg ohne uns zurückfinden musste und so liefen wir hoch motiviert bis zur Wasserkante. Es gab eine kurze Ansprache von einer Dame, die sich auch vorstellte, aber ohne Mikro und mit zartem Stimmchen war sie so gar nicht zu verstehen. Daher waren wir auch ganz überrascht, als das Startkommando kam, es waren noch nicht einmal alle am Wasser, einige liefen noch den Weg von den Bussen hinab. Aber wir zwei standen parat und starteten pünktlich. Auf ging es. Irgendwie kam mir das Wasser salziger vor als alles andere zuvor. Und dann kamen auch noch Algen dazu. Die Wassertemperatur wechselte immer zwischen leicht fröstelnd kühl und angenehm warm. Das Fatale am warmen Bereich war leider nach einigen Metern zu sehen. Quallen! Und diesmal nicht nur eine Handvoll. Ich schwamm durch ganze Schulen von Quallen. Einige tausend glitten an mir vorbei, hunderte durch meine Hände. Ich versuchte unter Wasser den Mund zu fest zu schließen wie es ging. Auf keinen Fall wollte ich eines der glitschigen Tiere als Mahlzeit zu mir nehmen. Zum Glück gelang mir dies. Interessant war auch, dass Tobias im anschließenden verbalen Wettkampfaustausch sagte, dass er kaum Glibbertiere hatte. Warum dann ich so viele? Wo war er nur langgeschwommen? Das wird ein nie zu klärendes Mysterium bleiben.

Entlang der ganzen Strecke waren neben den DLRG Booten auch private Segel- und Motorboote zu unserer Sicherheit aufgefahren worden. Ich finde, das ist eine super Geste von den Leuten und es half uns Schwimmern sehr bei der Orientierung.

Nachdem wir uns die 3,5 km durch die Bucht gequält hatten, liefen wir behänden Fußes in Hohenkirchen aus dem Wasser Richtung Strand und ließen das erlösende Piepen der Zeitnahme ertönen. Damit wir uns von allem Glibber, der uns im Wasser begegnete, befreien konnten, hatte man Duschzelte aufgestellt. Nach deren Benutzung ging es mir wieder viel besser. Im Anschluss ließen wir und den dargereichten Eintopf und ein Gratisgetränk schmecken. So verging die Zeit bis zur Ergebnisverkündung etwas schneller. Unsere Veranstaltungsshirts, die wir automatisch mit dem Startgeld erworben hatten, gab es auch erst zur Siegerehrung. Vermutlich wollte das Organisationsteam verhindern, dass zur Siegerehrung nur noch eine Handvoll Aktive anwesend war. Auch wir räumten zügig das Feld und machten uns auf den Heimweg nach Berlin, nachdem klar war, dass es für mich ‚nur‘ ein vierter Platz war, die AK von Tobias erneut von Profis gerockt wurde und wir unsere Shirts hatten.

Irgendwie war meine Siegesserie abgerissen. Dabei fühlte ich mich fit wie nie. Sicherlich lässt man dann ein wenig den Kopf hängen, aber der innere Schweinehund wollte noch einen goldenen Abschluss der Freiwassersaison. Zum Glück stand noch Kallinchen auf dem Programm…

Angi