Sophie Hanßen beschreibt das Wechselbad zwischen Freude und Enttäuschung nach ihrem Rennen über 100 Meter Rücken bei den Norddeutschen Meisterschaften. Ihren Bericht übermittelte sie der Redaktion per WhatsApp-Sprachnachricht.
Manchmal ist Sport wirklich seltsam. Man erwischt genau den Tag, auf den man so lange gehofft hat. Man schwimmt ein Rennen, das sich vom ersten Meter an richtig gut anfühlt. Man schwimmt persönliche Bestzeit. Und trotzdem sitzt man wenige Minuten später enttäuscht am Beckenrand, weil am Ende nur ein paar Zehntelsekunden gefehlt haben.
Genau so ging es mir bei den Norddeutschen Meisterschaften in Hannover über 100 Meter Rücken.
Ich hatte mir keine großen Medaillenchancen ausgerechnet. Meine Meldezeit lag bei 1:18 Minuten, die schnellsten Zeiten in meiner Altersklasse AK 25 waren deutlich besser.
Trotzdem hatte ich an diesem Samstagabend plötzlich das Gefühl: Vielleicht geht heute doch etwas. Vorher war ich schon 50 Meter Rücken geschwommen und mit 34,99 Sekunden auf der Langbahn endlich unter 35 Sekunden geblieben. Das hat mir richtig Selbstvertrauen gegeben.

Vor dem Start habe ich mich dann noch einmal total hochgepusht. Ich wollte einfach ein richtig gutes Rennen schwimmen. Und im Wasser hat dann plötzlich alles gepasst: der Start, die Tauchphase, der Rhythmus. Bis etwa 80 Meter fühlte es sich richtig gut an. Die letzten 20 Meter waren brutal anstrengend. Aber ich habe durchgezogen, ohne groß nach links oder rechts zu schauen.
Dann schlug ich an, blickte zur Anzeigetafel – und mein Name leuchtete in Gold. Ich war Erste in meinem Lauf. 1:16,17 Minuten. Persönliche Bestzeit auf der Langbahn. Ich war völlig außer Atem, aber auch total glücklich. Gerade weil mein Training in letzter Zeit wegen der Arbeit nicht optimal war, hatte ich mit so einer Zeit nicht gerechnet.
Und dann kam dieser eine Moment, in dem ich plötzlich hoffte: Vielleicht reicht es ja doch fürs Podium. Aber es kam ja noch ein Lauf in meiner Altersklasse – der mit den schnelleren Meldezeiten.
Ich stand am Beckenrand, schaute auf den nächsten Lauf und fieberte mit. Doch dann wurde mir klar: Die Schnellsten waren einfach zu schnell. Der dritte Platz war am Ende nur drei Zehntelsekunden weg. Drei Zehntel. Das ist fast nichts – und in diesem Moment doch eine ganze Welt.
Ich war richtig frustriert. Obwohl ich weiß, dass bei den Masters die eigene Leistung und der Spaß mindestens genauso wichtig sind wie Medaillen, war ich in diesem Moment einfach tief enttäuscht. Ich wollte erstmal mit niemandem reden. Also bin ich ins Kinderbecken gegangen, habe mich treiben lassen und mir erlaubt, zehn Minuten traurig zu sein.
Danach konnte ich es wieder anders sehen. Ich hatte alles gegeben. Ich war Bestzeit geschwommen. Und ich hatte gemerkt, dass viel mehr möglich ist, als ich vorher gedacht hatte.
Vielleicht klappt es nächstes Jahr. Dann hole ich mir diese Medaille.
