Fünf Meter mehr…

Unser Mastersschwimmer Eiko Stoffregen über sein 200-Meter-Lagen-Rennen beim Masters-Cup.

Manchmal entscheiden im Schwimmen nur wenige Meter über Gold, Silber, Bronze und Blech. In meinem Fall, dem Rennen über 200 Meter Lagen beim Masters-Cup, waren es ziemlich exakt fünf Meter.

Als ich nach dem Rennen aus dem Wasser kletterte, war genau das mein erster Gedanke: „Fünf Meter mehr – und ich hätte ihn noch bekommen.“ Auf den letzten 50 Metern, der Freistilstrecke, war ich immer näher an den führenden Schwimmer herangeschwommen. Zug um Zug. Ich habe gemerkt, dass er müde wurde und ich noch Reserven hatte. Aber dann war der Anschlag da, die Bahn zu Ende, das Rennen zu Ende. Der Konkurrent rettete sich mit letzter Kraft ins Ziel – und ich schlug knapp hinter ihm an. Genau solche Rennen bleiben einem lange im Kopf.

Auf diesen Wettkampf hatte ich mich besonders fokussiert. Die 200 Meter Lagen waren nach den Norddeutschen Meisterschaften mein persönliches Projekt geworden. Dort war ich schon knapp am Titel vorbeigeschwommen – in einer guten Zeit. Diesmal wollte ich es noch besser machen. Noch kontrollierter schwimmen, meine Kräfte besser einteilen und vielleicht endlich diese 2:30 knacken, die ich mir als Ziel gesetzt habe. Sechs Sekunden schneller als bei den Norddeutschen …

Ganz aufgegangen ist die Strategie zwar nicht. Die Verbesserung war kleiner als erhofft, knapp eine Sekunde. Aber trotzdem war da dieses Gefühl, dass noch mehr möglich ist. Gerade auf den letzten 50 Metern. Brust bleibt aktuell meine schwierigste Lage. Dort versuche ich eher zu regenerieren, um hinten raus beim Freistilabschnitt noch einmal angreifen zu können. Genau daran arbeite ich jetzt im Training.

Eigentlich ist es verrückt, dass ich überhaupt wieder Wettkämpfe schwimme. Nach meiner aktiven Zeit als Jugendlicher war das Thema Schwimmen für mich fast zwanzig Jahre komplett erledigt. Mit 19 war Schluss. Einfach so. Danach kam das normale Leben. Arbeit, Familie, Alltag. Schwimmen spielte irgendwann keine Rolle mehr.

Erst viele Jahre später gab es ein erstes kleines Comeback. Allerdings eher in einer lockeren Freizeitgruppe. Dann kam Corona – und damit verschwand auch das bisschen Motivation wieder. Erst Anfang 2025 begann für mich wirklich der Neustart – über meinen Sohn, der beim PSV mit dem Schwimmen angefangen hatte. Beim Sommerfest sprachen mich dann Manuela, Sabine und Jörg an, ob ich nicht selbst wieder einsteigen wolle. Zunächst habe ich gezögert. Fast ein Dreivierteljahr lang. Irgendwann bin ich dann doch zum Probetraining gegangen. Und seitdem hat mich das Ganze wieder gepackt.

Heute trainiere ich zweimal pro Woche, dazu kommt seit kurzem noch etwas Athletiktraining mit dem Zugseil. Und ich merke einfach, wie gut mir das alles tut. Nicht nur sportlich. Ich habe inzwischen 15 Kilo abgenommen, fühle mich fitter und habe wieder richtig Lust auf Wettkämpfe. Dieses Gefühl hatte ich viele Jahre lang überhaupt nicht mehr.

Was für mich aber fast genauso wichtig geworden ist wie die Zeiten, ist die Mannschaft. Beim Masters-Cup waren wir mit einem richtig großen PSV-Team vor Ort im Sportforum. Einige waren zum ersten Mal bei einem Wettkampf mit elektronischer Zeitmessung dabei und total begeistert von der Atmosphäre. Dieses gemeinsame Anfeuern, die Staffeln, die Gespräche zwischen den Rennen – das macht unglaublich viel aus.

Ein echtes Highlight war für mich deshalb auch unsere 4×100-Meter-Lagenstaffel. Eigentlich galten wir als Außenseiter. Und dann schwimmen wir plötzlich auf Platz drei und lassen sogar starke Teams hinter uns. Genau solche Momente machen diesen Sport besonders. Nicht nur die Zeiten. Sondern das Gefühl, Teil eines Teams zu sein, in dem alle sich gegenseitig befeuern und mitziehen.